Nach einer beinahe endlosen, aber landschaftlich sehr schönen Busfahrt (hier sah man den Herbst das erste Mal richtig), die sich eher wie ein Legehennentransport anfühlte, kamen wir in Futaleufú an, einem beschaulichen Städtchen an der Grenze zu Argentinien.
Da Sonntag war, waren sämtliche Geschäfte inklusive Restaurants geschlossen. Also entschlossen wir uns auf dem Dorfplatz unseren Campingkocher auszupacken und zu kochen: Paprika-Tomaten-Gemüse an Knoblauch mit Zitronenmaronen und Nudeln.
Während wir aßen, kam Tobias, ein Motorradfahrer aus Frankfurt, vorbei. Er war auf der Suche nach zwei Schweizern, mit denen er Schach spielen wollte.
Nach einem kurzen Gespräch bot er uns an, dass wir doch bei den Beiden mit nach El Bolsón fahren könnten. Und so konnten wir am nächsten Mittag bequem im Mietwagen über die Grenze fahren. Während der Fahrt haben wir noch wertvolle Tipps erhalten, da die beiden bereits alle südamerikanischen Länder besucht hatten, die wir auch ins Auge gefasst haben.
El Bolsón - Cerro Hielo Azul
Wie der Lonely Planet so schön beschrieb, startet der Weg zum Cerro Hielo Azul mit der Überquerung einer “Suspension bridge”.
Ansonsten lässt sich der Tag mit zwei Wörtern beschreiben: Wald, bergauf (1.000 Höhenmeter)
Als wir den 6 Stunden Lauf mit viel zu viel Gepäck auf dem Rücken hinter uns hatten, erreichten wir das wunderschöne Refugio Hielo Azul, wo wir mit heißen Öfen und Tee empfangen wurden.
Aussicht vom Refugio
Nach den Strapazen des Tages, entschlossen wir uns drinnen zu übernachten. Auf dem Dachboden gab es ein gemütliches Matratzenlager, das wir mit 12 anderen Wanderern teilten. Das war eine gute Entscheidung. In der Nacht goss es aus Eimern.
Am nächsten Morgen stiegen wir bei leichtem Schneefall zum Gletscher Hielo Azul auf. Dazu hatten wir mal wieder eine handgezeichnete DIN A6 große Wegbeschreibung bekommen. Hier stand explizit “sin manos” - ohne Hände, später waren wir aber doch froh, dass wir uns dank unseren Erfahrungen aus der Kletterhalle gut festhalten konnten.
Durch den Schneefall in der Nacht war aus Hielo Azul leider Hielo Blanco geworden.
Auch dieser Gletscher ist wie so viele Andere auf dem Rückzug…
Gegen Mittag waren wir wieder am Refugio, kochten schnell etwas zu Essen und starteten den 2. Teil der Wanderung, den Weg zum Refugio Cajon del Azul.
Unterwegs konnten wir dann sehen, woher der Río Azul seinen Namen hat.
Kurz vor dem Ziel mussten wir uns zwischen dem 5-Minuten-Weg über die Zufahrtsstraße oder dem Langen, der uns laut Reiseführer zu “La Barranca” führen sollte, entscheiden. Um diese Sehenswürdigkeit nicht zu verpassen, was auch immer es sein mochte, entschieden wir uns für den längeren Weg, welcher uns entlang des Río Azuls über dubiose Holzleitern den Felsen hinauf führte. Mit 14-18 Kilo auf dem Rücken, war das Balancieren nicht immer einfach. Nach 20 Minuten erreichten wir dann den Schlund.
Endlich am Ziel!
Diese Nacht mussten wir jetzt aber draußen im Zelt schlafen. Wir hatten es schließlich bis hierher geschleppt. Als wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück den Frost auf dem Boden sahen, war klar, warum wir in der Nacht so gefroren hatten.
Der Rückweg in die Zivilisation war mit einigen schönen Aussichten gesprenkelt und körperlich zum Glück nicht ganz so anstrengend wie die Tage zuvor.