Der Vulkan Chimborazo wurde erstmals von Edward Whymper bestiegen, derselbe Bergsteiger, der den Gipfel des Matterhorns als Erster erreichte und damals das Wettrennen für die schweizerische Seite entschied. Unten auf dem Foto sieht man die fünf Gipfel des weitläufigen Vulkans. Er ist mit 6.310 m der höchste Berg Ecuadors. Am Gipfelkreuz ist man aufgrund der Lage des Vulkans und der Form unseres Planeten der Sonne am nächsten.
Cumbre Veintimilla, Cumbre Whymper, Cumbre Politecnico, Cumbre Martinez, der letzte hat keinen Namen
Ganz spontan entschieden wir uns, bei einer zweitägigen Wanderung den Vulkan Chimborazo auf einer Höhe von 4.000 - 5.0000 m aus nächster Nähe zu betrachten. Die Bergbesteigung hole ich beim nächsten Ecuadorbesuch nach, wenn ich ein bisschen in Deutschland geübt habe. Wir brachen zusammen mit der gerade kennengelernten Bibliothekarin Manuela aus der medizinschien Fakultät in Mannheim auf.
Leider spürten wir, was es bedeutet mit unpassender Kleidung in der Natur zu sein. Eigentlich ist es in der Trockenzeit windig und trocken. Wir bekamen das beste aus beiden Saisons; das heißt es schüttetet ununterbrochen und dabei fegte einem der Wind um die Ohren. Das geplante Mittagessen mitten im Freien ohne jeglichen Windschutz einzunehmen und noch Sandwiche Belegen, entsprach nicht unseren Vorstellungen von einer sonnigen Wanderung.
Nach einer weiteren Stunde beschlossen wir, nicht weiter auf 4.800 m aufzusteigen, sondern zu einem anderen Refugio umzukehren, auch wenn die Entscheidung nicht leicht fiel. Aber es steht und fällt alles mit der richtigen oder falschen Ausrüstung. In dem Fall waren wir ein bisschen schlecht informiert über die klimatischen Bedingungen und hatten Pech mit dem Wetter. Wir hatten vor allem an Sonnenhut und -creme gedacht. Der zweite Tag bei gleichem Wetter und mit den nassen Klamotten vom Vortag wäre sicherlich ein Horror geworden.
Somit waren wir alle froh, von Fuß bis Kopf nass und steif gefroren, irgendwann an diesem Tag das Refugio auf 3.640 m am Bahnhof Urbina zu erreichen. Das Feuer im Kamin brannte schon und wir bekamen dazu einen Canelazo, einen Tee aus Ananas und Passionsfrucht und Zimt, wahlweise mit einem Schuss Rum. Es war unbeschreiblich kalt, aber in der Nacht - wir schlüpften schon um neun Uhr ins Bett - wurde es unter vier Decken und zwei Schlafsäcken sehr muckelig warm!
Nass bis auf den Reisepass
Letztendlich stellte sich dieses Refugio als richtiger Glückstreffer heraus, wunderschön erbaut und gemütlich eingerichtet, ähnlich wie eine kleine DAV-Hütte in den Alpen. Der Besitzer Rodrigo Donoso ist erfahrener Bergsteiger und -führer und Produzent des Dokumentarfilms (ca. 14 Minuten) über die beeindruckende Geschichte des letzten Eisholers: www.thelasticemerchant.com In der Küche des Refugios arbeiten zwei liebenswürdige Kolumbianerinnen die beim Trampen in Urbina hängengeblieben sind. Jetzt verdienen sie sich Geld, um die Reise nach Argentinien fortzusetzen. Zum Haus gehören noch ein paar Lamas, ein botanischer Garten und die -Tagua-Werkstatt. Aus der Kokosnuss-ähnlichen Frucht werden Schmuck, Knöpfe und andere Staubfänger hergestellt. Wir lernten, dass Tagua heimisch in Ecuador ist und dass das sogenannte vegetal ivory um 1920 das am meiste exportierte Gut Ecuadors war.
Botanischer Garten
Lamas streicheln
Frucht der Tagua-Planze
Da die geplante Wanderung auf 5.000 m ins Wasser gefallen ist, fuhren wir am zweiten Tag mit dem Auto zur Sonnenseite des Vulkans. Dort haben wir zahlreiche Fotos geschossen.
Rechts die Nordostseite im Wolkenmeer, links die sonnige Südwestseite
Über den Wolken
“Aufstieg”
Faszinierende Ansicht des Berges
Cowgirl
Zurück in Riobamba holten wir unser restliches Gepäck und entschieden uns nach Salinas in Richtung Guayaquil zu fahren. Von Guayaquil werden wir am kommenden Dienstag zu den Galapagos-Inseln fliegen. Doch während der Taxifahrt zum Busbahnhof haben wir uns spontan umentschieden. Der Taxifahrer überzeugte uns, die letzten beide Tage auf ecuarodianischem Festland im Ort Baños in der Nähe zum Amazonasgebiet zu verbringen. Also hat er uns noch zum Busterminal ans andere Ende der Stadt gefahren. Anderes Reiseziel, anderes Terminal.
Im Bus schaute Chrissi die Bilder des Chimborazo auf dem iPad an und plötzlich Stand ein kleiner Junge neben uns und sagte: “Este es la Casa de mi Tia!” - das ist das Haus meiner Tante! Er war so begeistert, dass er nach und nach seine Geschwister dazu holte.
Rechts ist das Haus der Tante. Wer sieht das Gesicht am Berghang?